Freitag, 3. Juli 2020
Drei Wochen Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen
Samstag, 6. Juni 2020
Am Montag startet wieder Präsenzunterricht - und das ist gut so.
Dienstag, 2. Juni 2020
Antwort an Valentin Helling (Twitterdiskussion vom 2. Juni 2020)
Danke für den Vedder-Hinweis (ich seh zwar nicht ganz, was du beabsichtigst und eingentlich, will ich auch nicht über den Text schreiben, da du dies aber offenbar willst). Ich sagte übringes, "Schule sei veraltet," sei die These, nicht "Schule werde in Frage" gestellt (dies las ich allerdings auch schon).
Ich zitiere Vedder: «Unsere Traditionsschule
ist ein Auslaufmodell – ein schwerfälliger Tanker (…) ein marodes System (…)
wir brauchen den grossen Wurf!...» Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Hey
Bro, vielleicht solltest du in Zukunft die ganzen Texte lesen?
Vedders bestenfalls halbrichtige These, wonach Schulen veraltete "Dressuranstalten" seien und nur der «grosse Wurf» helfen könne, versucht er anschliessend, mit fehlerhaften Argumenten zu untermauern. Zumindest für die Schweiz gelingt dies nicht.
Kein Wunder, er findet auch, dass man 50% der Lernziele streichen könne. Er
will bspw. das Bruchrechnen auf ein Minimum reduzieren. Bei sich selbst scheint
er schon begonnen zu haben, «Über 50% der Arbeitsabläufe sind heute schon
automatisiert.» Es fehlt die Grundgesamtheit, weshalb die Aussage mathematisch sinnlos
ist (ökonomisch ist sie eh sinnlos, weil Geschäftsprozesse dauernd optimiert
werden. Einige verschwinden, neue kommen dazu – seit mindestens 300 Jahren). Vedders Text ist ein schönes Beispiel, was passiert, wenn jemand mit ein bisschen Internet-Halbwissen meint er können die Welt erklären. Ein Schulbeispiel des Dunning-Kruger-Effekts.
Es wundert mich immer, wenn Didaktiker und Pädagogen glauben
zu wissen, wie die Wirtschaft in 20 Jahren aussieht. Ökonomen wissen dies
nicht. Deshalb wollen sie die wirtschaftlichen Produktivkräfte
stärken. Dazu brauchen wir moderne Schulen, in welchen bspw. Bruchrechnen gelernt
wird und die Kinder nicht ein Vormittag lang den Zeitwächter in einer
Gruppenarbeit spielen.
Übrigens, meine Kinder brauchen keine leistungsfähige Volksschule. Wir könnten sie auch zu Hause beschulen. Evtl. würden sie zu Hause sogar spezifischer gefördert. Trotzdem schicken wir sie mit Überzeugung in die Volksschule, (jedenfalls solange Leute wie Vedder oder andere aus eurer Filterblase sie nicht kaputt gemacht haben.)
Ob «normale» Kinder diese Varianten auch haben, wage ich zu bezweifeln. Ihr habt einfach nicht fertig gedacht!
Gerne verweise ich auf meinen Blog, wo ich dies mehrfach dargelegt habe. Solltest du und deine Filterblasenfreunde lesen.
Schöner Tag noch, Bro.
Sonntag, 24. Mai 2020
Sei kreativ! - Warum mich diese Forderung bis heute zum Lächeln bringt
Sonntag, 10. Mai 2020
Übrigens: Fernlernen geht auch frontal - Erfahrungen aus weiteren Wochen Fernunterricht
Hingegen frage ich nach, wenn jemand bei einer obligatorischen Aufgabe oder einem obligatorischen Call abwesend war. Nicht als Kontrolle, sondern aus Interesse und um Kontakt halten zu können. Die Abwesenden sind typischerweise nicht diejenigen, bei denen alles bestens läuft.
Donnerstag, 23. April 2020
Lernvideos mit dem Handy - meine Erfahrungen
Lernvideos haben für die Lernenden den Vorteil, dass sie sie immer wieder anschauen können. Sie können dann schauen, wenn sie die nötige Konzentration haben und in Lektionen können für Übungen, Fragen, Transfers und Diskussionen verwendet werden. Es besteht die Chance auf höhere Effektivität und höhere Effizienz.
Zuerst erstellte ich ein Drehbuch. Dies ist zwar ein bisschen ein grosses Wort für eine kleine Sache. Aber eigentlich ist es das. Ich schreibe auf, was ich sagen will. Dann überlege ich an welchen Stellen ich ein Foto bspw. einer Aufzählung oder eine Erläuterung einbauen will. Da meine Filme ganz einfach sind, genügt es, wenn ich dies aufschreibe. Eine Zeichnung oder Skizze ist nicht nötig, weil ich nicht verschiedene Szenen habe.
Dann nehme ich den Film mit der Handykamera auf. Ich schaue, dass das Gesicht einiger massen ausgeleuchtet ist, keine seltsamen Schatten hat und ich nicht direkt in der Mitte, wie bei einem Fahndungsfoto, sitze. So entstehen ansehnliche Produkte.
Wenn ich alle Bestandteile des Films zusammen habe, beschrifte ich sie, damit ich sie beim Zusammenschneiden schneller finde. Auch das Schneiden erfolgt am Handy. Ich verwende KineMaster. Diese Programme sind aber alle ähnlich. Das Zusammenschneiden geht umso leichter, je besser man vorher aufgenommen hat. Es ist wichtig, dass wenn ich mich bei der Aufnahme verspreche, dass ich dann nicht sofort korrigiere, was man in einem normalen Gespräch reflexartig macht. Um einen Film zu drehen, muss man ruhig bleiben, eine kurze Pause machen und die Stelle noch einmal lesen. Dadurch kann man die falsche Stelle problemlos raus schneiden. In der Zwischenzeit beherrsche ich dies recht gut.
Kleines Beispiel:
Schliesslich muss der Film exportiert und veröffentlicht werden. Ich veröffentliche sie auf MS Stream. Diese Filme können alle Personen unserer Schule sehe. Bei den Lernenden kommen sie offenbar gut an, was ich in Rückmeldungen erfahren habe.
In der Zwischenzeit bin ich bei der Erstellung ziemlich schnell. Trotzdem brauche ich für einen Film von fünf bis zehn Minuten gut zwei Stunden Arbeit. Da ich aber Freude an den Filmen gekriegt habe, werde ich wohl auch zukünftig mit diesem Mittel arbeiten.
Samstag, 18. April 2020
Schule muss sich entwickeln. Schule "neu denken" ist unnötig.
Es irritiert mich, weil man leicht zeigen kann, dass die Annahmen hinter diesen Forderungen zu grossen Teilen fehlerhaft sind.
1. Annahme: Die Halbwertszeit des Wissens hat sich verkürzt.
Dieser Glaube ist weit verbreitet aber falsch. Praktisch das gesamte Wissen, welches in der Schule gelehrt und gelernt wird, ist grundlegendes Wissen, welches sich teils seit Jahrtausenden nicht mehr verändert hat.
Auf diesem Wissen baut berufsspezifisches Detailwissen, welches sich vielleicht tatsächlich verändert, auf. Dass Kinder und Jugendliche dieses Grundwissen aufbauen ist ein Beitrag, den die Schule an die Wirtschaft leisten kann und tut. Wer ein breites Allgemeinwissen, wer ein vertieftes Orientierungswissen hat, ist agil, flexibel, hat gesellschaftliche Teilhabe und kann auf ändernde Ansprüche der Wirtschaft reagieren. Tiefe (Jugend)arbeitslosigkeite und hohe Erwerbsquote sind die Folge.
2. Annahme: Nur intrinsische Motivation ist richtiges Lernen und bleibt im Gedächtnis, extrinsischer Druck demotiviert
Diese Aussage tönt einleuchtend, ist aber falsch. Entscheidend ist nicht der ursprüngliche Anreiz, sondern die Dauer und Intensität. Auch extrinsische Anreize können Interesse wecken.
Ich habe jahrelang ehrenamtlich gearbeitet (Junioren- und Aktivhandballtrainer, Hauptorganisator Juniorentrainingslager, Gemeindepolitik). Es wird tendenziell schwieriger, Leute für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Oft muss mit extrinsischen Anreizen nachgeholfen werden. Warum dies in der Schule plötzlich anders sein soll, ist unklar.
Praktisch alle Spitzenleistungen basieren auf einer Mischung aus innerem Antrieb und äusseren Anreizen.
3. Annahme: Schule fördert Bulimielernen
Abgesehen von der völlig deplazierten Bezeichnung "Bulimielernen", ist die Aussage falsch.
Selbst wenn ein Teil vergessen geht, typischerweise kommen einem diese Teile rasch wieder in den Sinn. Sie gingen eben nicht vergessen, sie waren lediglich nicht mehr präsent.
Dies erlebe ich regelmässig, wenn ich mit Erwachsenen arbeite. Vieles aus der Grundbildung ist ihnen nicht mehr präsent. Wenn wir solche "vergessenen" Themen anschauen, kommt es ihnen rasch wieder in den Sinn. Die BM2 (Berufsmatura für Erwachsene) Lernenden verstehen ein Thema viel schneller als Lernende der Grundbildung, die denselben Sachverhalt zum ersten Mal hören.
Ausserdem gibt es Lernende, die eine Sache nicht vergessen.
Ausserdem steigt das Ansehen von Menschen, welche viel wissen. Wissen ist ein Wert an sich.
4. Annahme: "Alles, was automatisiert wird, wird automatisiert."
Diese Aussage ist richtig, ist aber nichts Besonderes. Strukturwandel läuft seit gut 300 Jahren und hat sich in den letzten 30 Jahren als Folge von Globalisierung und Digitalisierung beschleunigt. Der Satz soll wohl Alarmismus erzeugen: Wenn wir nicht sofort die Schule neu denken, zerstören wir die Zukunft unserer Kinder! Unsinn.
5. Annahme: Bewertungen und Selektion demotivieren Lernende
Diese Gefahr besteht, weshalb die Volksschule längst dazu übergangen ist, differenzierte Bewertungen und Rückmeldungen zu geben. Neben Querschnittsvergleichen werden längst auch persönliche Entwicklungen festgehalten. Leider werden Lehrpersonen für diese Mehrarbeit meist nicht entschädigt.
Rückmeldung kann bewirken, dass ein Jugendlicher einen realistischen Ausbildungsweg wählt.
Zu glauben, dies würde auch freiwillig passieren, ist naiv. Nicht selten werden Lehrpersonen von Eltern und ihren Anwälten unter Druck gesetzt, wenn Leistungen nicht klar bewertet sind und Empfehlungen nicht den Wünschen der Eltern entsprechen.
Wenig überraschend: Noten wurden nach Volksabstimmungen wieder eingeführt. Nicht Noten und Selektion setzten Kinder unter Druck. Oft sind es die Eltern. Oft respektieren die "Selektionsablehner" nur das Gymnasium. Deshalb ihre Forderung "Matura für alle".
Selbst wenn man die dreigliedrige Oberstufe abschaffen würde, gäbe es Selektion. Ein völlig individualisiertes System würde die Unterschiede wohl sogar noch vergrössern. Es heisst dann zwar nicht mehr Selektion, es ist aber offensichtlich, dass ein Kind mehr kann als ein anderes. Am Ende kriegen zwar alle ein Maturzeugnis "geschenkt" (Matura für alle), dieses ist aber nichts (mehr) Wert.
6. Annahme: Quervergleiche und Noten gibt es nur in der Schule, sonst nirgends.
Diese Argument ist derart absurd, dass ich jedesmal stocke, wenn ich es lese. Leute, die so argumentieren, mussten sich wohl noch nie um einen Job bewerben.
Gemäss Rückmeldungen aus der Erwachsenenbildung ist es gängige Praxis, dass bei Mitarbeitergesprächen die Zielerreichung mit "übertroffen", "erfüllt", "nicht erfüllt" oder "sehr gut", "gut", "genügend" und "ungenügend" beurteilt wird. De facto Noten.
Irritierend ist, dass sogar Ausbildungsverantwortliche von Unternehmen Beliebigkeitsforderungen in sozialen Medien liken.
Sind das eigentlich dieselben Ausbildner, welche monieren, man fände keine guten Lernenden mehr, weil diejenigen, die sich bewerben, könnten weder einen Satz fehlerfrei schreiben, noch beherrschten sie den Dreisatz?
In meiner Erfahrung können fast alle Berufsleute den Dreisatz gut. Die Schule lehrt eben dieses beständige Wissen "Dreisatz", was der Forderung nach "Lerninhalten aus dem Leben der Kinder" zuwider läuft. Kaum ein 12-jähriger braucht den Dreisatz.
Im Übrigen werden längst praktische Bezüge vorgenommen.
Nehmen wir an, die Wirtschaft will wirklich nur noch Kompetenzen
Die heutigen Primarschülerinnen und -schüler werden in rund 60 Jahren pensioniert. Kein Mensch weiss, wie dann die Wirtschaft aussieht. Die Idee, die Schule müsste die Bedürfnisse der Wirtschaft befriedigen, ist absurd!
Welche Wirtschaft genau?
Die heutige Wirtschaft oder die Wirtschaft im Jahre 2060? KMU oder Multi?
Was getan werden muss, für die Kinder/Jugendlichen und die Wirtschaft
Was die Schule kann und auch sehr erfolgreich macht, ist das Vermitteln von grundlegender, beständiger Allgemeinbildung und sie kann mithelfen beim Aufbau von Orientierungswissen. Die Grundvoraussetzung für kritisches Denken. Weiter werden Kompetenzen wie Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Zusammenarbeit etc. geschult. Selbstorganisation wird mit Projekten gefördert.
Dies ist überhaupt nicht Neues!
Schulprojekte, Vorträge, Gruppenpräsentationen, Theateraufführungen, Mehrjahrgangsklassen etc. gibt es seit Jahrzehnten.
Sogar die Berufsschulen, welche nahe an der Wirtschaft sind, konzentrieren sich vor allem auf berufsspezifische, theoretische Grundlagen und Allgemeinbildung. Mehr dazu hier.
Übrigens: Jeder Sportverein, jedes Pfadilager, jede Jugendmusik kann Kooperation, Kreativität und Kommunikation besser vermitteln.
Es kommt tatsächlich vor, dass Kinder/Jugendliche in unserem Schulsystem "unter Wert" geschlagen werden. Gemessen an der Gesamtzahl ist die Zahl aber gering. Trotz individualistischer Gesellschaft ist die Zustimmung zur Volksschule hoch.
Wichtig ist, dass das Bildungswesen durchlässig ist. Nachholbildung, BM2, Passerelle, Höhere Fachschulen, Fachausweise etc. müssen gefördert, subventioniert und mit vernünftigem (finanziellen) Aufwand möglich sein. Nicht alle brauchen Matur, aber alle brauchen eine Chance auf Karriere.
Wenn ein Mitarbeiter wirklich mal zu wenig Kommunikationskompetenz oder zu wenig Kreativität hat, so gibt es bereits heute Schulen, die in Zusammenarbeit mit Berufsverbänden zielgerichtete Weiterbildungen anbieten. In sozialen Medien wimmelt es von Berater*innen, die gerne unternehmensinterne Weiterbildungen durchführen. Die Schule liefert dazu die Grundlage.
Dies sind die Ansätze für zeitgemässe Bildung und zeitgemässes Lernen.